Mein bisheriges Lieblings-Auto

Den hatte ich von 1990 bis 1999

Plymouth Acclaim LX

Das ist der Plymouth Acclaim bzw. der Dodge Spirit
aus dem der Chrysler Saratoga abgeleitet wurde
Das Bild stammt von Chrysler Freunden aus USA. Danke

Es gibt noch (englische) Seiten über die technischen Details.



Rückblende: April 1990. Ich arbeite seit gut zwei Jahren bei CompuNet° in Hamburg. Jeden Montag fahre ich 250 Kilometer von meinem Heimatort Lemgo nach Hamburg, jeden Freitag fahre ich 250 Kilometer zurück von Hamburg nach Lemgo. Unter der Woche habe ich eine kleine Wohnung etwa 20 Kilometer vor Hamburg. Während der Arbeit kommt es vor, daß ich Termine außerhalb wahrnehmen muß und dazu meinen privaten Wagen nehme, einfach, weil er bequemer ist, wie die Firmenwagen, weil ich meine Cassetten dabeihabe und weil ich im Auto rauchen kann, soviel ich will.
Damals war unser Geschäftsgebiet noch viel größer, CompuNet Hannover gab es noch nicht und manche Kunden waren in Orten 300 und mehr Kilometer von Hamburg entfernt. Im Laufe der letzten Jahre hatte ich einen Schnitt von 50.000 Kilometern im Jahr gefahren. Mein alter Opel Senator hatte die 300.000er Marke erreicht und überschritten. Der nächste TÜV-Termin wäre im August fällig, die Wasserpumpe und der Kühler waren undicht, die Türen an der Unterseite verrostet und insgesamt drohten größere Reparaturen.
Ein neuer Wagen sollte her.

Also mache ich die Runde bei den Autohändlern. Eigentlich sollte es wieder ein Opel werden, weil ich mich damit bestens auskannte. In diesem Jahr kam der Opel Omega mit dem 2.6 Liter Reihen-Sechszylinder und 150 PS heraus - ein schöner Wagen und ein potentiell leistungsfähiger und langlebiger Motor. Der sollte es sein: schwarz oder dunkelrot und entweder ein Kombi oder eine viertürige Limousine.
Mein Opelhändler allerdings wollte mich auf August/September vertrösten - Lieferfristen. Schön, dann würde ich eben warten müssen. Bestellen wollte ich aber nicht sofort. Vielleicht fände ich ja was anderes ...
Ein halbes Jahr vorher hatte die damalige Freundin meines alten Kumpel Roland sich einen Chrysler ES mit dem 2.5 Liter Turbomotor und 145 PS gekauft. Ein tolles Ding, elegant, schnell und bemerkenswert preisgünstig. Ich bin ein paar Runden mit dem Ding gefahren und fand ihn ganz toll - allerdings war es von der Art her ein ganz anderes Auto, wie ich eigentlich haben wollte: Vierzylinder, Schaltgetriebe, Zweitüriges Coupé. Na ja. Angeblich sollte es davon auch noch eine Limousine geben. Also - ab zum Chrysler-Händler. Zufällig kannte ich den noch von früher her. Roland und ich hatten ihm mal bei einigen Computer-Problemen geholfen und er hörte sich an, was ich wollte.

SARATOGA LOGO

Die Limousine zum ES war der GTS. Den gab es mit 2.5 Liter und 98 PS mit Automatik oder 5-Ganggetriebe, als Turbo mit 2.5 Liter, 145 PS und Schaltgetriebe oder als Turbo mit 2.2 Liter und 177 PS und Schaltgetriebe. Eine Turbo-Automatikversion gab es nicht. Ich bin die Automatikversion mit 98 PS mal zur Probe gefahren. Resultat: kann man vergessen. Die Automatik ist ein altertümliches 3-Gang Aggregat und der Motor wirkt ziemlich müde. Sechs Zylinder ? Keine Chance. Nicht im GTS, selbst der damalige LeBaron hatte keinen. Sowas gab es nur im Voyager (Mini-Van) oder im Saratoga.

"Saratoga ? Was ist das denn ?"

Eine viertürige Limousine, mit allerhand Extras, einem 141 PS starken 3.0 Liter-V6, einer elektronisch gesteuerten 4-Gang Automatik und stark gewöhnungsbedürftigem Aussehen. Davon hatte ich vorher noch nie gehört.

Ein erster Rundgang um das Auto. Nun, es ist ungefähr so groß wie mein Senator, sieht aber anders aus, breiter, flacher. Alufelgen, aha, 205er Reifen, soso, dunkelrot-metallic.

"Und wie fährt das Ding ?" frage ich den Händler.
Ich soll es selber rausfinden. Dies ist sein Vorführwagen und er gibt mir den Schlüssel.
"Sieh' aber zu, daß Du zum Feierabend wieder da bist."
Erster Anlaufpunkt: mein Haus. Als ich auf den Garagenvorplatz fahre, lande ich fast in den Büschen. Diese Kiste hat unglaubliche 13 Meter Wendekreis. Der Senator hatte 10 Meter. Das gibt Probleme. Aber nur kleine. Also fahre ich auf die Bundesstraße, die ostwärts aus der Stadt hinausführt. Die Automatik schaltet wirklich kaum spürbar, eine Menge Power ist vorhanden. Straßenlage, Beschleunigung und Kurvenverhalten sind prima. Die wichtigsten Sachen sind elektrisch: Fenster vorne und hinten, beide Außenspiegel, die Einstellung des Fahrersitzes. Getönte Scheiben, Cassettenradio mit vier Lautsprechern, Lenkrad-Höhenverstellung, Halter für Cola-Dosen. Leider keine Klima-Anlage. Und kein ABS und kein Airbag, aber das habe ich damals wie heute auch nicht vermißt. Die Klima-Anlage hätte ich nachrüsten können, die Grundausstattung inklusive Verkabelung ist bereits vorhanden, aber irgendwie habe ich sie nicht so sehr vermißt, daß ich das Geld dafür rausgeworfen hätte. Bisher ging es ohne. Irgendwann fahre ich zum Händler zurück.

3.0 ENGINE

Der Vorführwagen war damals knapp ein halbes Jahr alt (Erstzulassung 13. November 89) und hatte gute 6.000 Kilometer gelaufen. Die Garantie ging bis 110.000 oder drei Jahre - bei mir wohl eher 110.000. Der Neupreis betrug damals 39.990 DM plus Überführung, Erstinspektion und Sonderzubehör. Besonders war der Metalliclack, der 500 DM zusätzlich gekostet hätte, wäre eine Klima-Anlage gewesen, wenn sie denn eingebaut wäre und hätte man ein Sonnendach einbauen lassen, hätte das auch ein paar Mark gekostet.
Nach einigem Rechnen haben sich der Händler und ich auf 32.000 Mark geeinigt. Dafür mußte er meinen alten Senator nicht zurücknehmen. Den hatte ich schon jemand anderem versprochen.
Am 3. Juli 1990 habe ich meinen Saratoga mit der Fahrgestellnummer 1C3BA7634LF736669 angemeldet. Das Kennzeichen DT-AX 917 hat er vom vorigen Besitzer übernommen. Der Tacho stand bei 6.551 Kilometern.

Die Reaktionen der Freunde, Nachbarn und Bekannten: "Na, ob das gut geht !"

Komische Leute. Haben kein Problem damit, japanische, französische oder sogar koreanische Autos zu kaufen - aber wenn man erwähnt, daß man einen amerikanischen Wagen fährt, denken sie immer gleich an Straßenkreuzer, Benzinsäufer, miese Qualität und bescheidene Wirtschaftlichkeit. Dabei übersehen sie, daß die amerikanischen Autohersteller riesige Anstrengungen unternommen haben, um ihre Fahrzeuge wirtschaftlicher und konkurrenzfähiger zu bekommen. Diese Leute in USA haben nicht die ganze Zeit über geschlafen - speziell bei Chrysler nicht, die vor einigen Jahren knapp vor der Pleite standen und dann eine triumphale Rückkehr auf dem US Markt mit einer ganzen Palette von neuen, kleinen und wirtschaftlichen Wagen geschafft haben, von denen jeder das Geld wert war, was er gekostet hat. Nun, damals hatte ich den einzigen amerikanischen Wagen weit und breit. Abgesehen von diversen Mini-Vans, die komischerweise aber nie so direkt als ausländische, amerikanische Wagen erkannt wurden.

TEMPOMAT IM LENKRAD
Jahre vor allen anderen:
Bedientasten des Tempomat im Lenkrad

Häufigste Frage: "Der säuft doch bestimmt 'ne ganze Menge Benzin ?"

Nein. Tut er nicht. Meine Verbrauchsstatistik der letzten Jahre weist einen Schnitt von 11 Litern aus. Dabei muß berücksichtigt werden, daß ich zu 90% Autobahn oder Stadtverkehr Hamburg fahre. Die sparsamen Landstraßen kommen fast gar nicht vor. Minimum waren mal 8.3 Liter / 100 km als wir Anfang 1991 zu Besuch in der noch nicht ganz wiedervereinigten DDR waren und als dort noch ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf allen übrigen Straßen galt.

Nächst häufigste Frage: "Und wie ist das mit Werkstätten ?"

Kein Problem. Wenn mal was kaputtgeht, gibt es genug Werkstätten. Zumindest habe ich damit keine Schwierigkeiten gehabt. Aber beinahe.

Abgesehen von den üblichen Servicearbeiten gab es außerplanmäßig nur mal zwei neue vordere Bremsscheiben und zwei neue Hauptscheinwerfer. Die Bremsscheiben stammten aus einer Serie, die sehr schnell verschlissen und die Hauptscheinwerfer waren undicht gewesen. Bei den Bremsenteilen war die Abhilfe 100%-ig, die neuen Scheinwerfer waren nach einem Vierteljahr schon wieder innen naß - und sind es noch heute. Dann kam der Kilometer 66.609.

FRONTANSICHT

Ich habe mir den Tachostand notiert. Ich fuhr montags morgens auf der Autobahn A 352, die am Flughafen Hannover entlangführt, Richtung Hamburg. Eine Bekannte aus Hamburg, die öfters mit mir zusammen diese Tour machte, weil ihr Freund in Lemgo wohnte, saß auf dem Beifahrersitz. Wir hatten uns zurückgelehnt und das übliche Reisetempo von 160 km/h erreicht, als es von vorne ein merkwürdiges Geräusch und einen harten Ruck gab, dann drehte der Motor bis zur roten Marke auf dem Drehzahlmesser hoch (6000 u/min), alle Warnlampen leuchteten auf und der Motor stellte sich selbst ab. Wir sind dann bis zum Standstreifen gerollt. Pause. Tiefes Durchatmen.
"Was war das denn ?" Ich wußte es nicht. Motor gestartet. Läuft und macht auch keine verdächtigen Geräusche. Wählhebel auf "OD". Der Wagen rollt los, erste Fahrstufe, zweite, Leerlauf, zweite Fahrstufe. Beim Anhalten rollt er nicht mehr von selber los und der Wechsel zwischen erstem und zweiten Gang ist deutlich spürbar. Getriebeschaden.

Die Werkstatt in Hannover kann oder will nicht helfen. Es ist Montag, keiner der Mechaniker ist da, einen Termin habe ich auch nicht, Notfall hin oder her - die Leute sind sichtlich überfordert. Also wird die Reise zurück nach hause mit dem havarierten Auto angetreten, was nur noch im zweiten Gang fährt - das aber bis zu 120 km/h schnell. Nur bequem und leise ist es dabei nicht mehr. Der Rückweg von über 100 Kilometern dauert anderthalb Stunden und die Fehlerdiagnose ist genau die selbe, die ich schon unterwegs gemacht habe: es hat das Getriebe zerrissen. Ein neues wird beschafft und ich bekomme die Gelegenheit drei lange Wochen mit einem 45 PS starken Fiat Uno durch die Gegend zu fahren, weil es irgendwo ein Problem gibt, ein Getriebe und einen dazu passenden Drehmomentwandler aufzutreiben und beides an die richtige Adresse zu schicken. Als alles endlich drin ist und ich das Auto abholen kann, dauert die Freude nur wenige Stunden: an einer Kreuzung habe ich plötzlich keinen Kraftschluß mehr, erst als ich den Motor abstelle und neu starte, spielt das Getriebe wieder mit. Also zurück zur Werkstatt. Eine weitere Woche habe ich einen Leihwagen, diesmal aber einen Opel Vectra mit 90 PS.
Des Rätsels Lösung ist verblüffend einfach: der Sensor, der die Ausgangsdrehzahl des Getriebes mißt, hat einen Kabelbruch. Vermutlich war er es schon, der das Getriebe zuerst auf dem Gewissen hat, als er dem Getriebecomputer bei 160 Sachen eingeredet hat, das Auto würde stehen. Und der Computer folgsam vom vierten in den zweiten Gang zurückgeschaltet hat. Alle Kosten, auch die von den Leihwagen, werden komplett von der Chrysler Garantie übernommen.

Den verbleibenden Rest der Garantiezeit und die folgenden 110.000 Kilometer überstehen wir ohne größere Aktionen. Abgesehen von dem üblichen Kram, wie Reifen, Stoßdämpfer und Bremsbelägen fallen keine außerplanmäßigen Reparaturen an. Ich bin zufrieden und lege manche große Tour mit dem Saratoga zurück, manchmal 1.300 Kilometer an einem Tag.

GETRIEBE
Das A604 Getriebe - kaum ein anderes schaltet
so sanft. Kaum ein anderes ist wegen Totalschäden
so in Verruf geraten

Dann - bei 178.000 Kilometern - ist wieder das Getriebe dran. Es bleibt einfach nicht im vierten Gang. Ab und zu hat es schon gewisse Aussetzer gehabt, aber nun wird es zum Dauerzustand: man beschleunigt aus dem dritten Gang bis auf z.B. 120 km/h. Der vierte Gang wird eingelegt und nun kann man den Motor bis auf die Höchstdrehzahl bringen, ohne daß das Auto schneller wird. Nimmt man den Fuß vom Gas, ist wieder der dritte Gang drin - und bleibt es auch, bis man den Motor abschaltet und neu startet, wobei der Getriebecomputer ebenfalls einen Rücksetz-Impuls erhält. Die Werkstatt - eine andere, als die ursprüngliche, die inzwischen verkauft wurde - findet den Fehler nicht. Auch der Fachmann von Chrysler Deutschland kommt nach drei Tagen Suche zu keinem Ergebnis. Sie haben alles ausgetauscht: Computer, Kabel, Sensoren ... dann muß der Fehler wohl in der Mechanik des Getriebes liegen. Also muß ein neues her. Und das kostet unvorstellbare 4.500 Mark. Ich überlege, ob es an der Zeit ist, den Wagen zu verkaufen, aber mit defektem Getriebe bekomme ich dafür so gut wie nichts, andererseits ist bis auf dieses Teil alles andere in Ordnung und ein anderes Auto kostet auch einen Haufen Geld. Also lasse ich ein neues Getriebe einbauen. Das hält bis heute.

Inzwischen hat der Wagen über 290.000 Km auf dem Tacho. Seit anderthalb Jahren habe ich die Wartungsarbeiten selber durchgeführt, um die horrenden Kosten gering zu halten. In die Werkstatt mußte ich trotzdem noch ein paar Mal. Einmal, habe ich in dunkler Nacht auf der Autobahn mit etwa 160 km/h ein Brett überfahren und dabei ist die linke Motorhalterung abgerissen. Eine Woche danach ist morgens plötzlich der Kühler ohne Wasser und ich muß auf der Autobahn anhalten und das Auto abschleppen lassen. Das Brett hat wohl noch größeren Schaden angerichtet, als nur die Aufhängung. Der Kühler ist ganz hin, die Wasserpumpe ebenfalls und ein Wasserrohr wird mit ausgewechselt. Der Spaß hat dann nochmal eben 2.500 Mark gekostet.

Die beiden vorderen Bremsscheiben habe ich mir selber zuzuschreiben. Ich hätte die Bremsbeläge doch schon etwas früher wechseln sollen ... bin nur zu faul gewesen und als sie endgültig runter waren, haben sie die Scheiben beschädigt. Meine Dummheit - nicht der Fehler der Konstrukteure.

Ich muß gestehen, daß ich den Wagen nur noch mit einfachen Mitteln am laufen halte. Die Stoßdämpfer ringsrum gehörten eigentlich auf den Schrott, die Radlager der Vorderräder müßten neu, das äußere Gelenk der linken Antriebswelle macht seit 70.000 Kilometern durch laute Geräusche auf sich aufmerksam - und ich habe mich daran gewöhnt, es einfach zu überhören. Unterdessen ist der Katalysator zerbrochen und im Auspuff scheppert es im Leerlauf und beim Beschleunigen unüberhörbar. Die Motoraufhängungen müßten vielleicht auch mal ersetzt werden, nachstellen bringt schon nichts mehr. Ergo: es wäre eine Menge zu tun, eine Menge Geld zu investieren, aber ob es sich lohnt ?

Andersherum ist die Karosse fast völlig rostfrei. Nur der Kofferraumdeckel hat an seiner Unterseite ein paar abbröckelnde Kanten, wo Bleche doppelt liegen und nicht sorgfältig abgedichtet sind. Der Motor läuft wie eine Eins, lediglich, wenn der Ölpegel gegen Minimum sinkt, brauchen die Hydrostößel ein paar Minuten, um ruhig ohne klappern zu funktionieren. Einfach einen halben Liter Öl auffüllen und schon ist wieder alles in Butter. Der Ölverbrauch beträgt nach wie vor etwa einen halben bis dreiviertel Liter auf 1.000 Kilometer. Obwohl das ganze Fahrwerk, Aufhängungen, Stoßdämpfer und Lager schon so derartig abgelaufen sind, ist man immer noch in der Lage die Hände vom Lenkrad zu nehmen wenn man 160 km/h fährt, ohne unversehens die Straße zu verlassen. Der Wagen fährt ruhig weiter und läuft unbeirrbar geradeaus. Wie gut zeigt dieses Foto: aufgenommen auf der Autobahn A7 an einem Montag morgen - wobei ich freihändig fahren mußte, weil die blöde Kamera so schwer war. Achtet auf Tacho und Kilometerzähler und dann zeigt mir mal einen anderen Wagen, der das nach mehr als 290.000 Kilometern noch schafft - oder mit dem man sich sowas trauen kann.

SEITENANSICHT

Wenn ich mich entschließen könnte, ein paar Scheine in den Wagen zu investieren, wäre er wieder in einwandfreiem Zustand. Theoretisch zumindest. Allerdings kann ich nicht abschätzen, ob die Automatik nicht mal wieder eines Tages den Abflug macht, dann hätte ich das ganze Geld umsonst ausgegeben. Ehrlich: ich weiß nicht, was ich machen soll. Einerseits würde ich das Auto gerne wieder technisch fit haben, andererseits weiß ich nicht, ob ich nicht viel Geld in den Sand setze. Mit diesem inneren Zwiespalt fahre ich nun schon 60.000 Kilometer lang herum. Nochmal 10.000 weiter sind wir bei Tachostand 300.000 - ob ein Auto mit minimaler Wartung so lange durchhält ?

Meine Nachbarn haben es sowieso schon lange aufgegeben, skeptische Fragen zur Lebendauer meines Saratoga zu stellen. Seit über sechs Jahren sehen sie das rote Ungetüm vor dem Haus parken und wieder wegfahren. In dieser Zeit hat so mancher Golf, Kadett oder Vectra das Zeitliche gesegnet ... !

06. April 1997 - Update

Die alte Arche hat es geschafft !

Wir haben den TÜV-Termin im Februar erfolgreich hinter uns gebracht. Ich habe eine Motorwäsche gemacht und einen neuen Katalysator eingebaut, um den AU-Test zu überstehen - und das war's.
Der neue Kat hat knapp 1.200 DM gekostet - aber trotzdem habe ich das Geld investiert.

Am Mittwoch den 19. März um 8 Uhr 42 Minuten haben wir im Hamburger Freihafen die magische 300.000 Kilometer-Grenze überschritten. Ich habe versucht, diesen historischen Moment mit meiner verläßlichen, guten alten Russen-Kamera festzuhalten - hier ist eine Kollage dieses Ereignisses:


Nicht sehr gut zu sehen, aber das war der Moment ...!


Das waren die guten Neuigkeiten.

Die schlechten: Am Donnerstag den 27. März ist mir ein Kerl mit einem geliehenen Mitsubishi Gelädewagen beim Rückwärtsfahren in den Wagen gekracht. (Siehe "Unfall Nr. 6" weiter unten) Dieser Unfall hat eine Menge Schaden angerichtet - vielleicht zu viel, um den Wagen weiter fahren zu können. Ich habe die Schäden erstmal provisorisch behoben, aber wenn der Rahmen wirklich verbogen ist, werde ich die alte Arche stillegen müssen. Ziemlich übel !


Sieht eigentlich gar nicht schlimm aus ...

... sogar die Birnen funktionieren noch ...

... aber trotzdem Totalschaden !

Aktueller Stand am 03.05.97: Der Saratoga ist erstmal abgemeldet. Ob er je wieder angemeldet wird, ist fraglich. Die Versicherung meines Unfallgegners hat mir 6.000 DM überwiesen ! Dafür kriege ich natürlich keinen neuen Saratoga.

Ich halte euch auf dem Laufenden ....


Update am 28.02.98:

Silver Spirit
Das ist der "Neue". Ein 1991er.
Guter Jahrgang, wie es scheint

Nein - der rote ist nicht wieder angemeldet worden. Stattdessen habe ich mir von einem netten Bekannten (der wie ich auf Ami-Autos "abfährt") dessen silbernen 1991er Chrysler Saratoga gekauft.

Da ich in der Zwischenzeit ziemlich faul war muß ich nun zur Strafe alle Details und Neuigkeiten nachliefern. Aber der Reihe nach.

Am 13.06.1997 habe ich den nebenan abgebildeten Wagen hier im Lipperland zugelassen. Dank eines netten "Zufalls" bekam ich das Kennzeichen LIP-PE 17 zugeteilt .... wer mich also mal herumkreuzen sieht - ist herzlich eingeladen, sich winkend und blinkend bemerkbar zu machen. Wenn es Zeit und Ort zulassen, bin ich jederzeit für ein nettes Gespräch zu haben.

Dieser Saratoga hier, mit der Fahrgestell-Nummer 1C3BA7630MF622797, hat nun auch die Klima-Anlage, das ABS und die mysteriöse Leuchtweitenregelung für die Hauptscheinwerfer - jedoch keine Höhenverstellung für die vorderen Sicherheitsgurte und keinen Airbag.
Das -M- in der Fahrgestell-Nummer beziffert das Modelljahr als "1991" (L war 1990, N war 1992, O ist 1993 und so weiter). Allerdings beginnen bei Chrysler die Jahrgänge im Juni des Vorjahres und gehen bis in den Juni des laufenden Jahres - das heißt: ein Modell mit der 1991er Kennung "M" wurde irgendwann zwischen 06/90 und 06/91 gebaut.

Als ich den Wagen übernommen habe, hatte er gut 108.000 Kilometer gelaufen. Inzwischen steht der Tacho bei 129.800 Kilometern. Dieser Wagen hier fährt sich jedoch ganz anders, als der Rote. Das Getriebe ist länger übersetzt (2.3:1 statt 2.5:1) und daher ist die Geschwindigkeit in der 4. Fahrstufe höher als beim Vorgänger. Darüberhinaus muß Chrysler auch am Getriebe selber und am Computer Änderungen vorgenommen haben, denn beim Roten war es nicht möglich ab ca. 140 km/h noch mit Kick-Down in die 3. Fahrstufe zurückzuschalten. Bei diesem hier geht das sogar bis ca. 180 km/h, soweit, wie die 3. Fahrstufe auch reicht, wenn man beim Beschleunigen die einzelnen Gänge voll ausdrehen läßt.

Silver Spirit Rear
Der 1991er von hinten

Die Innenausstattung ist bis auf Details identisch mit der des Roten. Die Designs der Seitenverkleidungen in den Türen ist etwas unterschiedlich, das Radio ist ein anderes Modell von Clarion, die Heizungs- und Lüftungsregelung ist natürlich anders - wegen der Klima-Anlage. Die Ausström-öffnungen unterhalb der Windschutzscheibe sind ovale Löcher und keine länglichen Schlitze, wie bei den Modellen ohne Klima.

äußerlich ist nur der etwas abweichende Kühlergrill anders und auf der Kofferraumklappe fehlt in der Mitte das Chrysler Zeichen. Dafür hat einer der Vorbesitzer die "Chrysler Saratoga"-Schilder entfernt und dort "Dodge Spirit" aufgeklebt - wie das Modell ja auch ursprünglich heißt.

Ansonsten ist alles, wie gewohnt. Zum Glück haben sie 1991 die Saratogas noch mit den "Snowflake"-Felgen ausgeliefert und nicht die etwas läppisch wirkenden "Pizzateller" drangebaut. Zusätzliches Chrom-Brimborium fehlt ebenfalls. Das schlichte und hübsche Basis-Design ist zumindest bis Anfang 1991 noch beibehalten worden. Für das Modelljahr 1992 haben sie ab Mitte 1991 bis zum Produktionsende dann nochmal den Kühlergrill "verschönt" und einige Modelle sind mit mehr Zierleisten ausgeliefert worden.
Die nach 1992 ausgelieferte Modelle waren in der Regel originale US-LeBaron Sedans (Fahrgestell-Nr. beginnt mit 1C3XAB...), die auf europäische Bestimmung umgebaut wurden und dann auch Lederpolster und Armaturenbrett im Wurzelholz-Design besaßen.



Unfälle und Vorfälle

Natürlich: wenn man einen Wagen länger fährt, kommt man ab und zu in Situationen, die in einem Unfall enden. Du wünschst dir selbstverständlich, keinen zu haben - und vielleicht ist es nicht mal deine Schuld - aber es passiert eben. So war es auch bei mir. Die Jahren sind nicht ganz spurlos vorübergegangen und hier ist eine Liste der bedeutendsten Vorkommnisse.

  • Unfall Nr. 1
    Volkswagen Passat (1990er Modell)
    Einer meiner Arbeitskollegen hatte nicht erwartet, daß man auf nassem Kopfsteinpflaster so eine lange Strecke braucht, bis der Wagen zu stehen kommt. Den Wagen, den er mit seinem Passat getroffen hat, war mein Saratoga, den ich gerade zehn Tage vorher gekauft hatte. Ich hörte nur das Geräusch von rutschenden Reifen von draußen ... und dann dieses häßliche KRACH-Geräusch, was einem eine Gänsehaut verschafft. Geräusch fallender Glassplitter. Ich bin rausgerannt, um nachzusehen.

    Schadensbericht
    Saratoga : gar nichts
    VW Passat : ein Scheinwerfer zerstört, der andere angeknackst, linker Kotflügel verbogen, Kühlergrill zerbrochen


  • Unfall Nr. 2
    Großvater (ca. 68 Jahre) mit Fahrrad (Made in Russland - Modell unbekannt)
    Eines morgens gegen neun Uhr habe ich an einem Überweg angehalten, um ein paar Fußgänger (Schulkinder) vorbei zu lassen. Während ich losrollte, kam der Großvater mit seinem Fahrrad hinter einer Häuserecke hervor, krachte gegen meinen rechten Kotflügel, rutschte über die Haube und fiel auf die Straße. Ich bin gleich stehengeblieben, habe die Polizei und den Krankenwagen rufen lassen. Später in dem Jahr bin ich wegen "fahrlässiger Körperverletztung" zu einer Geldstrafe von 1000 DM verurteilt worden. Hat weder mir noch dem Opa was gebracht. Der war an dem Tag auf dem Weg in die Kirche. Hätte leicht seine letzte Fahrt werden können. Glückspilz. Ich habe ihm ein neues Fahrrad bezahlt.

    Schadensbericht
    Saratoga : rechter Kotflügel leicht eingebeult. Hab das meiste rausbekommen, ist aber noch etwas wellig
    Großvater : war zwei Tage im Krankenhaus, rechten Fußknöchel überdehnt, halbes Jahr Erholungszeit
    Fahrrad : Totalschaden. Zu viel kaputt, Rad krumm, Gabel und Rahmen gebrochen


  • Unfall Nr. 3
    Honda Civic (Modell und Jahr unbekannt - schon älter, mit der Rolle schwarz lackiert)
    Junger Mann, der es eilig hatte - und sich keinen Grund vorstellen konnte, warum ich vor einer Ampel stehenbleibe, die von gelb auf rot wechselt. KRACH - Geräusch von Glassplittern. Der Unfall passierte an einem sonnigen Sonntagnachmittag, genau vor einem vollbesetzten Restaurant, wo die Tische draußen standen. Viele Zeugen, viele Schaulustige, viel Applaus, als die Polizei aufkreuzte. Mein Chryslerhändler hat mir erzählt, daß das Interesse an den Chrysler Modellen in den Tagen nach meinem Unfall deutlich angestiegen wäre. Wollte mich aber nicht an den Umsätzen beteiligen.

    Schadensbericht
    Saratoga : ein paar Kratzer an der hinteren Stoßstange
    Honda Civic : beide Scheinwerfer zerbrochen, Schäden an Haube und vorderer Stoßstange, Kennzeichen abgefallen


  • Unfall Nr. 4
    Audi A4 (neuestest Modell in dunkelblau-metallic)
    Fahre auf der Autobahn nach Hause. Dichter Verkehr mit niedriger Geschwindigkeit. Vielleicht ein Unfall auf der Gegenfahrbahn, viele Leute, die noch langsamer werden, um besser gucken zu können. Ein Wagen links von mir schert plötzlich aus und zieht auf meine Fahrspur. Muß hart bremsen, um einen Zusammenprall zu vermeiden. Möglicherweise etwas zu schnell für den Kerl im blauen Audi A4 hinter mir, der auch geguckt hat. Kriegte seine Strafe. Ihr kennt das schon: KRACH - und das Geräusch fallender Glassplitter ! Nicht viel dazu zu sagen. Jemand rief die Polizei über Mobiltelefon und die brauchten fünfzehn Minuten um aufzukreuzen. Erste Frage "Wo ist der Unfallgegner ?" Nachher haben sie behauptet, ich würde einen getarnten Panzer fahren, was ich verneint habe. Konnte ganz normal nach hause fahren.

    Schadensbericht
    Saratoga : paar kleine Kratzer auf der Stoßstange und am Kennzeichen, nach 20 Minuten polieren nichts mehr zu sehen.
    Audi A4 : beide Scheinwerfer zerstört, Haube verbogen, beide Kotflügel angebeult, Stoßstange komplett abgebrochen, unterer Wasserschlauch am Kühler angebrochen, Auto mußte abgeschleppt werden



Nun - diese Unfälle verteilen sich über eine Fahrstrecke von 280.000 Kilometern. Macht einen Durchschnitt von 70.000 Kilometern zwischen zweien. Ich glaube aber, daß man sich nicht auf die Statistik verlassen sollte. Vielleicht wartet der nächste Idiot schon an der nächsten Ecke ... KRACH - Geräusch von Glassplittern ... fragt sich nur, wessen Glassplitter ?

Hier ist die Antwort:

  • Unfall Nr. 5
    Einer meiner Arbeitskollegen mit seinem 1996er Ford Escort Caravan war wohl um 9:00 Uhr morgens noch nicht ganz wach. Ich hatte hinter einem Auto angehalten, was hinter einem Lastwagen gestoppt hatte, der die Straße auf unserer Seite blockierte. Ich hatte einige Meter vorher angehalten, um eine Einmündung nicht zu blockieren. Mein Kollege hat wohl angenommen ich fahre noch weiter an den anderen Wagen heran - was ich nicht tat. Er bremste zu spät und - KRACH - fuhr auf. Kein fallendes Glas diesmal.

    Schadensbericht
    Saratoga: Nichts. Etwas Dreck, der hinter der Stoßstange saß lag nun auf der Straße
    Escort: Kennzeichen und Montageplatte abgebrochen, Stoßstange teilweise von der Karosserie abgebrochen. Der Kollege hatte erst eine Woche zuvor eine neue Stoßstange an den Wagen bekommen. Wird wieder eine neue brauchen.
    Blaues Chrysler LeBaron Cabrio knapp hinter uns: Der Fahrer hat sich fast vor Lachen in die Hose gemacht.


  • Unfall Nr. 6
    War mit meiner Freundin einkaufen, wir kreuzten durch die Stadt, um zu einem anderen Parkplatz zu kommen. Mußte hinter einem dunkelblauen Mitsubishi Geländewagen halten. Der Kerl hinter dem Steuer war ein Stück zu weit in eine Einmündung hinein gefahren und wollte nun einen anderen Wagen vorbeilassen. Haut den Rückwärtsgang rein, tritt auf's Gas und läßt die Kupplung los. Nach knapp einem Meter - KRACH - Geräusch von fallendem Glas.
    Offensichtlich wusste er nicht, wofür diese häßlichen reflektierenden Dinger an den Türen da sind.

    Schadensbericht
    Saratoga: Linker Scheinwerfer und linke Seitenleuchte zertrümmert. Fronthaube an der linken Seite nach innen gebogen, linker Kotflügel verbogen. Möglicherweise ist der Rahmen verzogen. Der Wagen ist ein "wirtschaftlicher Totalschaden" - weil die Reparaturkosten den Zeitwert übersteigen. Werde versuchen, den Schaden provisorisch zu reparieren und mir einen anderen Saratoga besorgen.
    Bilder siehe oben.
    Mitsubishi: Rechter Teil der hinteren Stoßstange beschädigt und möglicherweise hinterer Halter der Blattfeder verbogen. Leichte Schäden an der Karosserie.


  • Unfälle mit dem silbernen Saratoga
    (nach dem 13.06.1997)

    Bisher keine. Drückt mir die Daumen, daß ich auch weiterhin davon verschont bleibe !!



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