Stadtsiegel
Wachssiegel der befestigten Stadt Lemgo (um 1200)
mit dem Wappen des Landesherren (Lippische Rose)
und der Inschrift:
+ SIGILLVM . BVRGENSIVM . I(N) LEMEGO +


Die Alte Hansestadt Lemgo

Einleitung

Den folgenden Text habe ich aus dem Buch "Lemgo - Gesicht einer Stadt" von Marianne Bonney entnommen, was 1980 im Steffen Verlag, Lemgo, erschienen ist. Dieses Buch ist nach wie vor das beste, was man für eine 'Schnellansicht' über Lemgo, seine Geschichte, Vergangenheit und Gegenwart heranziehen kann. Es ist in Deutsch, Englisch und Französisch geschrieben - und wenn Du interessiert genug bist und mehr über meine Heimatstadt erfahren möchtest, kannst Du versuchen, noch eins zu bekommen. Allerdings: die Anzahl der gedruckten Bücher war ziemlich gering und es wäre vielleicht vergebene Mühe, aber wer weiß ... ? Die ISBN-Nummer ist 3-922 847-00-5 und mein Buch ist aus der ersten Auflage. (Das heißt - es ist gar keine Auflagenzahl erwähnt.)
Überflüssig zu erwähnen, daß alle Rechte beim Autor und Verleger liegen. Aber ich hoffe, sie werden mir verzeihen, daß ich einen Teil ihres Werkes hier verwendet habe ... dies ist ja keine gewerbliche Verwendung. Und ich habe alles von Hand abgeschrieben - nicht mit einem OCR-Scanner (den ich sowieso nicht besitze).
Danke vielmals, Frau Bonney !

"Ein Pergament, durch einen glücklichen Zufall im 19. Jahrhundert entdeckt und im Archiv der Stadt sorgsam verwahrt, überliefert verläßlich, daß Lemgo Ende des 12. Jahrhunderts von Bernhard II., Edelherr zur Lippe (1140 - 1224), gegründet wurde. Die Handschrift aus dem Jahre 1245 mit dem Reitersiegel Bernhards III., dem Enkel des Gründers, bestätigt die Privilegien, die jener Bernhard II. der Stadt verliehen hat.
Der Lemgoer Geschichtsschreiber Professor Karl Meier bezeichnet den Stadtgründer als eine der großartigsten Gestalten des Westfälischen Mittelalters. Vor seinem Kreuzzug 1197 legte er den Grund zur Stadt am Knotenpunkt zweier mittelalterlichen Handelswege, die sich am Marktplatz schnitten. Noch heute hat der Marktplatz den Charakter eines Kreuzungspunktes.

Das Konzept des ursprünglichen Grundrisses mit dem alten Straßennetz ist bis heute erhalten geblieben; auch die Wallanlagen sind bis auf eine Lücke die durch den Bau der Engelbert-Kämpfer-Straße um die Jahrhundertwende entstand, noch vorhanden, heute als bedeutsamer Grüngürtel mit Parkcharakter. Die ehemaligen Stadttore hingegen sind im Laufe der Zeit verschwunden. Das Bild der Stadt mit 80 Baudenkmälern und 140 erhaltenswerten Gebäuden trägt keine mittelalterlichen Züge, sondern erhält seine Prägnanz durch die Stilmerkmale des 15. und 16. Jahrhunderts, die Renaissance.
In Lemgo waren um diese Zeit bedeutende Steinmetzmeister am Werke. Viele der kostbaren, sorgsam erhaltenen Zeugen der bauhistorischen Vergangenheit weisen durch die eingemeißelten Steinmetzzeichen ihre Schöpfer aus, die durch ihre Kunst weit über die Grenzen der Stadt berühmt wurden (Wulff, Georg und Ernst Crossmann).
Nicht nur der kostbare Fries der Ratsapotheke und die Rathauslaube, auch die Ausstattung der Lemgoer Kirchen St. Nicolai und St. Marien und viele Hausfassaden offenbaren die Handschrift jener Meister, die an der Blütezeit des Lemgoer Bauwesens beträchtliche Verdienste haben.

Ein wichtiger Zeitabschnitt in der alten Geschichte Lemgos sind das 14. und 15. Jahrhundert. Die Stadt, die schon im 13. Jahrhundert die Münzgerechtsame besaß, schloß sich der Hanse an und war dort mit vollem Stimmrecht ausgestattet. Sie kam zu handelspolitischer Bedeutung und unterhielt zahlreiche Wirtschaftsverbindungen nach Osten, Norden und Westen. Die "Lemsche Wand", das Tuch, aus Wolle gewoben, die aus Flandern eingeführt wurde, war zu jener Zeit ein Qualitätsbegriff. Von Bedeutung war auch die Leinenweberei. In Lemgo gesponnenes Garn wurde bei der Herstellung Brabanter Spitzen verwendet.

Die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges setzten der kleinen Stadt, die wegen ihrer Lage jahrhundertelang die größte und bedeutendste im Gebiet des heutigen Lippe war, arg zu. Nur langsam erholten sich Bürgertum und handwerk dank des florierenden Druckwesens und des Buchdrucks - man sprach von einem "Westfälischen Leipzig" - und der Meerschaumpfeifenherstellung.

Einen neuen Aufschwung brachte erst das 19. Jahrhundert. Auf der Grundlage des vorhandenen soliden Handwerks entwickelten sich Fabriken mit unterschiedlicher Produktion und überseeischen Kontakten. Das industrielle Wachstum nahm auch nach dem Zweiten Weltkrieg zu, orientiert nach der sich wandelnden Infrastruktur und den modernen technischen Errungenschaften.

Zugleich kamen auf die Stadt mit ihrem alten Kern neue Probleme zu, bedingt durch den wachsenden Verkehr und die zunehmende Motorisierung. Die Bevölkerung begann, in die Außenbezirke abzuwandern. Die bauliche Regeneration der Altstadt wurde zum unabdingbaren Gebot, wenn sie weiterhin die Zeit überdauern, sich nicht entvölkern und zum Darinwohnen attraktiv sein sollte.

Orientiert nach dem 1972 förmlich festgelegten Sanierungsgebiet begann in Lemgo die Restaurierung der kostbaren Baudenkmale. Mit Zuschüssen von Land und Bund und aus eigener Finanzkraft, wozu sich private Investoren gesellten, konnte in wenigen Jahren bereits viel geschafft werden. Lemgo wurde zum Schulbeispiel der Stadtsanierung und Denkmalspflege und erhielt Preise für seine geglückten Bemühungen um die Erhaltung seiner Stadtgestalt.

Beträchtliche Aufgaben bei der Erschließung des rückwärtigen Bereiches entlang der Fußgängerzone in der Stadtmitte, die auch auf die südliche Neustadt ausgedehnt wurde - die Neustadt war 1365 mit der Altstadt vereinigt worden -, müssen noch gelöst werden, um der Stadt ihr unverwechselbares Gesicht zu erhalten. Hinzu kommen die Auflagen des Umweltschutzes, deren Erfüllung die Finanzkraft der Stadt auf lange Jahre beanspruchen wird."

Soweit das Zitat aus Frau Bonneys Buch. Kannst Du Dir nun vorstellen, wie meine Heimatstadt aussieht ? Ich glaube nicht. Schön - dann werde ich Dir etwas helfen.



Wie man Lemgo findet

Nehmen wir an, Du hast eine Straßenkarte von Deutschland, die detailliert genug ist, um auch noch die kleineren Städte anzugeben, dann wirst Du in der Lage sein, Lemgo ebenfalls zu finden.
Eine Gesamtübersicht: Hamburg liegt im Norden, Berlin im Osten und München ganz unten im Süden.

Methode eins - der geometrische Ansatz

Nimm einen Bleistift und ein Lineal und zeichne eine Linie, die mitten durch Hamburg nach Süden führt oder folge dem 10. Breitengrad Ost.
Dann ziehe eine Linie durch Berlin nach Westen. Nahe dem Kreuzungspunkt dieser beiden Linien liegt Hannover.
Dann zeichne mit einem Zirkel einen Radius von 110 Kilometern um Hannover - abhängig vom Maßstab Deiner Karte. In südwestlicher Richtung liegt Bielefeld.
Ziehe eine Linie von Hannover nach Bielefeld. Nahe dem Kreuzungspunktes dieser Linie mit dem Radius kannst Du möglicherweise Lemgo finden.

Methode zwei - die Art der Lastwagenfahrer

Beginne wieder in Hamburg. Die Autobahn A7 (E45) führt südwärts aus Hamburg heraus nach Hannover. Du kommst an die Kreuzung von der A7 zur A2 (E30), die von Berlin nach Dortmund führt. Fahre Richtung Westen nach Dortmund. Nach vielleicht 160 Kilometern kommst Du an den Abfahrten Herford-Ost, Herford / Bad Salzuflen und schließlich Ostwestfalen-Lippe an. Hier verläßt Du die A2. Dann brauchst Du nur noch der Ostwestfalenstraße für ungefähr 25 Kilometer zu folgen und landest direkt in Lemgo. Aber achte auf Deine Geschwindigkeit ! Es gibt da ein paar automatische Radarfallen und schnelles Fahren wird dann sehr teuer.

Laßt uns mal einen Blick auf die (etwas unscharfe) Karte werfen:

Karte




Lemgo In Fakten

Keine Angst - ich werde Dich schon nicht mit Milliarden von Zahlen und Statistiken langweilen. Laß mich nur ein paar Sachen der Vollständigkeit halber hinzufügen.
Lemgo hat ungefähr 36.000 Einwohner. Die beiden Hauptstraßen, die sich in Lemgo treffen sind einmal die Bundesstraße B238, die von Minden im Norden nach Detmold im Süden führt (und von dortaus weiter nach Kassel und Süddeutschland). Die zweite ist die Bundesstraße B66, von Bielefeld im Westen (und weiter aus den Niederlanden) nach Bad Pyrmont im Osten (weitergehend nach Hildesheim und z.B. Leipzig).
Diese Hauptstraßen sind die moderne Entsprechung der früheren mittelalterlichen Handelsstraßen, welche den primären Grund für Lemgos Gründung als Ursache hatten.
Lemgo Wirtschaft basiert auf einer Anzahl Industrieunternehmen. Vor etwa 20 Jahren bildeten Lemgo, Detmold und Herford das Kernstück der westdeutschen Möbel- und Küchenindustrie. Während der Rezession der letzten Jahre mußten die meisten Unternehmen schließen. Von früher einmal 25 Firmen im Stadtgebiet von Lemgo sind nur noch eine Handvoll von sechs übriggeblieben. Heutzutage werden in Lemgo Auto- und LKW-Sitze produziert (Isringhausen), Leuchten für private oder industrielle Zwecke hergestellt (Kotzold und STAFF, letzterer ist der Erfinder des elektronischen Lichtreglers) oder Zahnarztgeräte und -bohrer gefertigt (COMET, Gebrüder Brassler). Diese Erzeugnisse werden weltweit gehandelt tragen den Namen Lemgo sogar bis nach Japan.
Wir haben ebenfalls eine sehr gute und landesweit bekannte Schule in Lemgo. Die Fachhochschule Lippe bildet Studenten in den Fächern Lebensmitteltechnologie und Produktionstechnik aus.
Im 17. Jahrhundert war Lemgo die Heimat des berühmten Engelbert Kämpfer, einem Arzt, Forscher und Naturwissenschaftlers, der Japan zur Zeit der totalen Isolation gegen den Westen ausgiebig bereist hat. Er reiste mit einer Handelsdelegation niederländischer Jesuiten und brachte nach seiner Rückkehr Beschreibungen und Zeichnungen der japanischen Natur, Wissenschaft und Gesellschaft mit nach Europa, die er dort gemacht hatte. Er war der erste Europäer, der den Ginko-Baum beschrieben hat. Sein Buch über Japan wurde später in den Niederlanden veröffentlicht, fand aber weniger Anklang, wie er vielleicht beabsichtigt hatte. Er lebte noch eine paar Jahre auf seinem Hof nahe Lemgo und starb später als armer Mann - typisches Forscherschicksal dieser Zeit. Sein Werk jedoch wurde später wiederentdeckt und gilt heute als die beste Studie über die Verhältnisse im historischen Japan. Heute tragen eine Straße, eine Schule und eine Forschungsgesellschaft seinen Namen.


Bilder

Lemgo #2

Das Lemgoer Rathaus (linke Seite) und der Marktplatz am einem Markttag von Norden aus gesehen

Das Bild ist Eigentum von Ulrike Bongers (siehe Fußnote)

Lemgo #3

Das Hexenbürgermeisterhaus - gebaut von Herrman Kruwel, einem Händler und späteren Bürgermeister 1568
Später lebte Hermann Cothman hier - er war ein berüchtigter und fanatischer Hexenjäger. Viele Männer und Frauen wurden hier gefoltert und getötet
Heute ist es ein Museum, welches an die lange und blutige Zeit der Hexenverfolgung in Lemgo erinnert. Ein Besuch lohnt sich !

Das Bild ist Eigentum von Ulrike Bongers (siehe Fußnote)

Lemgo #4

Ansicht der St. Nikolai Kirche mit ihren ungleichen Türmen
aus der Breiten Straße (Nord-Süd Fußgängerzone)
Das kleine weiße Gebäude in der Bildmitte diente als Unterstand
für den Henkerskarren, auf dem in vergangenen Zeiten die Hexen
durch die Stadt zu den Scheiterhaufen gefahren wurden.
Heute ist es ein Büro der Lemgo Touristen-Information

Das Bild ist Eigentum von Ulrike Bongers (siehe Fußnote)

Lemgo #5

Die Mittelstrasse - Ost-West Fußgängerzone mit Geschäften und schönen Häusern
Rechts sieht man die "Rathauslaube" - frühere Bürgermeister hielten von dort Ansprachen
Die Fenster rechts am Rand gehören zur "Ratsapotheke" - alles zusammen gehört zum Rathausgebäude

Das Bild ist Eigentum von Marianne Bonney (siehe Fußnote)

Lemgo #6

Hey - wir haben nicht nur alte Häuser ! Na, so ganz neu ist das hier auch nicht mehr, aber ...
Dieser Betonklotz ist die Fachhochschule Lippe - da kann man eine ganze Menge lernen.
Die kleine weiße Haube auf dem Dach ist eine Sternwarte. Die FH hat eine Seite im Internet

Das Bild ist Eigentum von Marianne Bonney (siehe Fußnote)



In der Umgebung

Schloß Brake

Das alte Schloß Brake, gebaut vor dem 12. Jhr. Gehört zu einem heutigen Vorort von Lemgo.
Früher war hier die Residenz der Edelherren zu Lippe (erstmalig erwähnt in einer Urkunde von 1306)
Komplett zwischen 1584 und 1603 im Stil der Weser-Renaissance umgebaut.
Ist heute ein bekanntes Landesmuseum dieses Baustils.

Das Bild ist Eigentum von Ulrike Bongers (siehe Fußnote)


Mittelland Kanal

Hast Du schon mal eine Flußkreuzung gesehen ? Nein ?
Schön - hier ist eine: etwa 20 Km nördlich von Lemgo ist eine Kreuzung der Weser
mit dem Mittellandkanal (oben), der vom Rhein bis nach Berlin führt
Die Brücke wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut

Quelle des Bildes unbekannt - habe es in einem alten Schulbuch gefunden.

Hermannsdenkmal

Südlich von Lemgo und Detmold steht im Teutoburger Wald das
Herrmannsdemkmal - eine monumentale Statue, die an 'Hermann den
Cherusker' erinnert, der Germanien von den römischen Invasoren
in der sogenannten Varus-Schlacht befreite.
Das Denkmal ist weithin im Lipperland sichtbar, sie steht auf der
386 Meter hohen Grotenburg. Die Statue ist 28 Meter, das ganze
Denkmal etwa 60 Meter hoch. Es wurde in den Jahren von 1836 - 1875
gebaut und blickt nach Westen, nach Frankreich, dem 'alten Erbfeind'
jener Tage entgegen.

Quelle des Bildes unbekannt. Von einer Postkarte aus dem Jahr 1901.

Externsteine

Dies sind die Externsteine - ein Naturdenkmal, etwa 25 Kilometer
südöstlich von Lemgo, nahe Horn - Bad Meinberg. Diese berühmten Steinsäulen
waren zu vorchristlicher Zeit Ort religiöser, wirtschaftlicher und
gerichtlicher Zusammenkünfte. Heutzutage sind sie beliebtes Ausflugsziel.

Ouelle des Bildes unbekannt. Aus einem Bertelsmann Lexikon von 1958.



Ein guter Rat

Es empfiehlt sich, daß jeder Lemgo selber mal besucht. Zwei Möglichkeiten: entweder man haßt es oder man verliebt sich in diese kleine Stadt mit ihren alten Häusern und - natürlich - mit ihren Leuten darin. Ich habe dort seit meiner Geburt gelebt und gäbe es nicht die Notwendigkeit, daß man im selbstgewählten Beruf seinen Lebensunterhalt verdienen müßte, ich wäre ausschließlich dort.
Die Dinge laufen oft anders, wie man es geplant hat - und so mußte ich wegziehen - teilweise jedenfalls. Denn an jedem Wochenende komme ich wieder her. Und das schon seit einer stattlichen Anzahl von Jahren. Wenn Du jemals hier gewesen bist - dann kommst Du bestimmt wieder her.
Und überhaupt: Um als ausländischer (z.B. amerikanischer) Tourist nach Europa zu kommen ist nicht halb so gefährlich, als wenn man als europäischer Tourist nach - sagen wir - Miami kommt !

Wer noch mehr über Lippe erfahren möchte, sollte vielleicht mal die Informationen auf diesen Web-Seiten konsultieren.

Die Fußnote:
Einige Bilder stammen aus dem schon erwähnten Buch von Marianne Bonney "Lemgo - Gesicht einer Stadt"
ISBN 3-922 847-00-5, erschienen beim Steffen Verlag, Lemgo.
Die anderen Bilder stammen aus dem Buch "100 Jahre Lemgo im Bild" von Ulrike Bongers
ISBN 3-7700-0792-1, erschienen beim Droste Verlag, Düsseldorf.

In beiden Fällen habe ich versucht, Kontakt zu den Autoren herzustellen (und habe es nicht geschafft), bin aber zuversichtlich, daß sie deswegen nicht sehr erbost sein werden, daß ich aus ihren Werken für eine nicht-kommerzielle Sache zitiert habe.
Die Rechte an Texten und Bildern liegen unverändert bei den genannten Personen oder Verlagen.



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